Artikel RAZ am 14.01.2010 Erste Ergebnisse aus den Arbeitskreisen

Artikel im Roßdörfer Anzeiger am 14. Januar

 

SILEK Roßdorf - Erbsenbach

Erste Ergebnisse aus den Arbeitskreisen

 

Was halten Sie von einem Aussichtsturm auf dem Rehberg mit 360 Grad Rundumblick vom Taunus über den Spessart, den Odenwald bis zum Pfälzer Wald oder von einer Aussichtsplattform am Roßberg für einen gefahrlosen Einblick in die äußerst eindrucksvolle Tiefe des Basaltsteinbruchs? Es kamen aber nicht nur solche eher „verwegenen“ Vorschläge von den Teilnehmern der drei SILEK-Arbeitskreisen Landwirtschaft – Gewässerentwicklung – Erholung/Umweltbildung bei ihren ersten Treffen im November, sondern auch sehr realistische, die weitaus einfacher umsetzbar sind. Bevor nun die zweite Runde der Arbeitskreis-Treffen beginnt, möchten wir Sie noch über die ersten Ergebnisse informieren. Nochmals zur Information: SILEK bedeutet Schwerpunktbezogenes Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept.

 

Der AK Gewässerentwicklung legte den Schwerpunkt auf die Renaturierung des Erbsenbaches. Es wurden mehrere Stellen vorgeschlagen, an denen der Erbsenbach wieder ein naturnäheres Bett bekommen könnte. Solche Maßnahmen wären wichtige Schritte zur Erfüllung der EU-Wasserrahmenrichtline (EU-WRRL), die bis zum Jahr 2015 einen guten Zustand der Gewässer fordert. Dieses Ziel war schließlich auch ein wesentlicher Auslöser für das SILEK als umsetzungsorientiertes Entwicklungskonzept. Dazu ein wichtiger Hinweis: Zwischenzeitlich hat das Land Hessen die Dringlichkeit erkannt und zugesagt, in den nächsten Jahren 2 Mrd. Euro für Gewässerrenaturierungsmaßnahmen zur Umsetzung der EU-WRRL zur Verfügung zu stellen.

Ein weiteres Anliegen dieses Arbeitskreises war, dass kein Müll und Kompost in den Bach geworfen wird, da dies einerseits dem Bach schadet und andererseits durch Verstopfung der Rohrdurchlässe zu Überschwemmung führen kann. Es wurde überlegt, wie die Anlieger davon überzeugt werden können.

Kennen Sie die „Brunkel“? Das war früher ein großes Feuchtgebiet im Westen von Gundernhausen, wo heute die Firma Rieter ist. Von diesem ehemals wertvollen Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten ist nur noch ein sehr kleiner Rest übrig geblieben. Es entstanden einige Ideen, wie man dieses Gebiet wieder aufwerten und ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen kann.

 

Beim AK Landwirtschaft war der Erbsenbach ebenfalls ein wesentliches Thema. Da für Renaturierungsmaßnahmen Platz benötigt wird, war den Landwirten verständlicherweise wichtig, dass hierfür Möglichkeiten ohne allzu große Verluste an landwirtschaftlichen Flächen gefunden werden, da diese schließlich ihre Existenzgrundlage und unsere Nahrungsgrundlage bedeuten. So wurde beispielsweise vorgeschlagen, die Flächen mehrerer nicht mehr benötigter Flurwege an die Bachufer zu verlegen und für Renaturierungsmaßnahmen zu nutzen.

Diskutiert wurden auch Lösungen zum Schutz vor Einträgen belastender Stoffe in die Gewässer, bespielweise strömen bei starken Regenfällen auf einigen Feldwegen schlammige Wassermengen hinunter, die bei Brücken in den Bach fließen und so für Beeinträchtigungen der Gewässerqualität sorgen.

 

Der AK Erholung und Umweltbildung entwickelte insbesondere Ideen zur Freizeitnutzung kombiniert mit Informationen/Erklärungen zu Wissenswertem in der Landschaft. Das reicht von kulturhistorischen Spuren, Geologie, Funktionen der Gewässer, Astronomie, Pflanzen und Tiere bis hin zur zeitgemäßen Landnutzung und Zusammenhänge in der Landschaft. Vorgeschlagen wurde dafür beispielsweise ein durchgängiger Informationsweg am Erbsenbach vom Anfang in Ober-Ramstadt bis zur Mündung in Dieburg. Die Idee einer gestalterischen Aufwertung des Geländes „Riedsbachaue“ beim Schwimmbad wurde aus dem AGENDA 21 Prozess wieder aufgenommen. Da eine Öffnung des hier verrohrten Riedsbaches zwar anzustreben, aber derzeit kaum realisierbar ist, könnte mit gestalterischen Mitteln der unsichtbare Bachverlauf ins Bewusstsein gerückt werden. Auf Grund der zahlreichen Pferdehöfe wurde das Thema reiten in der Landschaft intensiv behandelt. Zur Verbesserung des Angebotes und Lösung der Konflikte sollen Vorschläge erarbeitet werden.

Alle Arbeitskreise waren mit jeweils 15 – 20 Teilnehmern sehr gut besucht. Die rege und engagierte Mitwirkung bei den bis zu 4 Stunden dauernden Treffen hat unsere Erwartungen weit übertroffen.

Wie geht es weiter? Im Januar und Februar läuft die 2. Runde der Arbeitskreise zur Vertiefung und Konkretisierung der Projektvorschläge. Außerdem haben die Arbeitskreise noch selbst organisierte Treffen geplant, bei denen die zahlreichen Ideen besprochen und weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind dabei auch Ortsbesichtigungen und Expertengespräche.

 

Sie sehen, es ist einiges geboten beim SILEK Roßdorf – Erbsenbach und wenn auch Sie noch Informationen und Ideen haben, können Sie sie uns gerne mitteilen (ralandzettel@rossdorf.de).

 

LANDSCHAFTSBÜRO PRT

Ralf Theurer